«Alle Unterschiede zwischen der abstrakten und

der figurativen Malerei haben sich aufgelöst.» 

Miquel Barceló, 1984

Miquel Barceló (1957)

Miquel Barceló wurde 1957 in Felanitx, Mallorca, geboren. Seine Mutter, eine Vertreterin der traditionellen mallorquinischen Landschaftsmalerei, brachte ihn zur Kunst. 1974 reist er erstmals nach Paris, wo er die Werke von Paul Klee, Wols, Dubuffet und der Art Brut entdeckt. Nachdem er an der Kunstgewerbeschule von Palma de Mallorca studiert hatte, schrieb er sich 1975 an der Kunstschule von Barcelona ein. Ein Jahr später kehrte er nach Mallorca zurück, um an den Ereignissen und Aktionen der Gruppe Taller Lunatic  teilzunehmen, eine konzeptionelle Avantgarde-Gruppe. Plötzlich befreit durch die veränderten politischen Verhältnissen nach Francos Tod, verspürten sie den Drang, alles, was sie aus Demonstrationen des Avantgardismus in den europäischen Hauptstädten und in den Vereinigten Staaten gelernt hatten, erneut zu erleben. Er wirkte auch an der Entstehung der Künstlerzeitschrift Neon de Suro mit (21 Ausgaben von 1957–1982), eine weitere Gegenreaktion zu der in den 1970er Jahren weit verbreiteten Überzeugung, dass das Gemälde tot sei.

 

Ein Jahr nach seiner Rückkehr nach Mallorca hatte er seine erste Einzelausstellung im Palma Museum. Anfänglich beeinflussten die Avantgarde, Art Brut und der amerikanische abstrakte Expressionismus (z. B. Pollock hatte einen grossen Einfluss auf ihn) Barcelós Werk, andererseits interessierte er sich immer besonders für die grossen Meister des Barock Velazquez, Tintoretto und Rembrandt. Dubuffet, der sich als wahrer Anarchist sah, oder die irdische Materialität der katalanischen Maler wie Tapiés oder Miró inspirierten Barceló eine experimentelle Haltung einzunehmen. Bald fand er seine eigene Ausdrucksweise, indem er verschiedene «-Ismen» der letzten Jahrzehnte vereinfachte und reduzierte und Themen und technische Herausforderungen neu formulierte, aber er hat die Regeln der konventionellen Malerei wie zum Beispiel das «Chiaroscuro» nie aufgegeben. Er glaubt fest an die Fortsetzung einer grossen Tradition.

 

Mit den Eindrücken und Einflüssen verschiedener Kulturen und facettenreicher Landschaften behandelt er immer wieder einige der grossen Themen der klassischen Malerei wie Landschaft, Stillleben, Atelier oder Porträt sowie technische Herausforderungen wie Perspektive, Farbe, Licht und Komposition. Seine Malerei aus dem Gedächtnis umfasst autobiografische Zitate in einer grenzenlosen Erforschung neuer Ausdrucksformen, in denen er ausgiebig mit unterschiedlichsten Materialien, reichen Texturen, Licht-, Farb- und Bildprozeduren experimentiert, mit der Mutation der Elemente, der Verflüssigung von Objekten und ihre Vergänglichkeit durch Verblassen, Metamorphose und Tod. Er bleibt immer in der natürlichen Welt und experimentiert sowohl mit anorganischen als auch mit organischen Stoffen oder Elementen. Neben der Erkundung neuer Motive ist etwa das Meer immer wiederkehrend – in der Annahme, dass Mallorca wohl in ihm wohnt –, welches er aus wechselnden Perspektiven, Farben und Lichtern angeht. Seine Zeichnungen, Gemälde, modellierten Arbeiten, Skulpturen und Keramiken scheinen zeit- und raumübergreifend miteinander verbunden zu sein, obwohl sie stets mit bestimmten räumlichen und zeitlichen Koordinaten verbunden sind. Eine unbewusste Verbindung zwischen dem, was ihn beschäftigt, seinen Fantasien und Enthüllungen verleiht seiner Kunst eine narrative und ästhetische Einheit und Kohärenz.

 

In den achtziger Jahren reiste er ausgiebig durch Europa, die USA und Westafrika – und kehrte immer wieder nach Paris zurück, wo er 1983 ein zweites Atelier eröffnete. In den späten achtziger Jahren gab er das erzählerische Element in seinen Arbeiten auf, was nach seiner ersten Reise nach Mali im Jahr 1988, wo er ein drittes Studio in Ségou einrichtete, zur ersten Serie der weissen Wüsten-Gemälden führte. Besonders prägend war seine Afrika-Reise 1991: Er legte mit einem selbstgebauten Einbaum-Kanu eine Strecke von 1400 Kilometern auf den Flüssen Niger und Bani zurück – von Abidjan, Côte d'Ivoire nach Ouagadougou, Burkina Faso, weiter nach Ségou, Mali. Die Zeit, die Barceló in verschiedenen Ländern verbrachte, sein Nomadismus oder seine peripatetischen Gewohnheiten beeinflussten und inspirierten seine Arbeit wesentlich, am stärksten die Eindrücke Westafrikas: die Kraft des Lichts, die sengende Sonne, die felsige Landschaft, das Meer und der Fluss. Alles visuelle Erlebnisse, die ihn möglicherweise an seine Heimat Mallorca erinnerten. Aus politischen Gründen hörte er jedoch 2011 auf, nach Mali zu reisen.

1981 nahm er an der Ausstellung Otras figuarciones der La Caixa Foundation in Madrid teil, wo Rudi Fuchs seine Arbeit entdeckte und ihn zur kommenden Documenta einlud. Seine Teilnahme als einziger spanischer Künstler an der Documenta VII in Kassel im Jahr 1982 brachte ihm internationale Anerkennung ein. Seit Mitte der achtziger Jahre wurde Barcelós Werk (Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Keramik) regelmässig weltweit in renommierten Galerien, bedeutenden Museen und an anderen kulturellen Orten ausgestellt. Seine Arbeit wurde als Teil der internationalen neo-expressionistischen Bewegung aufgefasst, welche die vorherrschende Tendenz, die Malerei sei tot, ablehnte.

 

Der Auftrag ein Plakat für das Nîmes-Stierkampffestival 1988 zu erstellen, inspirierte Barceló 1990 zu seinen ersten Stierkampf-Bilder. Was während des Stierkampfes auf dem Sand geschieht, wollte er auf die Leinwand bringen – Spuren dessen, was passierte. Mit diesem bis heute wiederkehrenden Thema knüpfte der Künstler an eine Tradition spanischer Maler von de Goya bis Picasso oder Dalí an. Und 2012 schuf Barceló schliesslich das offizielle Plakat für Barcelonas letzten Stierkampf, der eine fast 700-jährige Tradition beisetzte.

 

1989 begann der Künstler mit seinen ersten Bronze-Skulpturen. Die riesige Skulptur Gran Elefantdret aus dem Jahr 2008 wurde in der ganzen Welt auf öffentlichen Plätzen installiert, etwa beim Palais des Papes in Avignon, auf dem Union Square in New York, auf der Plaza Mayor in Salamanca, im Regent’s Park in London oder am Paradeplatz in Zürich. Ein weiteres wichtiges Material für den Künstler ist Ton, die ersten Keramikskulpturen entstanden 1994.

Barcelós Kreativität war immer wieder vielseitig gefragt. Sein erstes Architekturprojekt geht auf 1986 zurück, als er beauftragt wurde, die Kuppel eines Theaterraums im Mercat de les Flors beim Rathaus von Barcelona zu bemalen. Eine Reihe von rituellen Ikonen für die Kirche Sant Eulalia, die Kirche der Katalanen in Palermo, Sizilien, wurde 1998 ausgeführt. 2002/2003 wurde die Sankt-Peter-Kapelle in der Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca von Barceló fast vollständig mit Keramikarbeiten ausgekleidet. Er benutzte Keramik nicht als Objekt, sondern zur Herstellung eines ca. 300 m2 grossen Wandgemäldes. Barceló bedeckte die gesamte Kapelle mit Terrakotta, schuf eine Art zweite Haut und gestaltete sie mit Bildern zur «Wundersamen Vermehrung von Brot und Fisch» aus, ein Thema aus dem sechsten Kapitel des Johannes-Evangeliums, das gewählt wurde, weil die Kapelle dem heiligen Abendmahl gewidmet ist. Im Jahr 2008 wurde sein gigantisches Deckengemälde für den Raum des UN-Menschenrechtsrats in Genf eingeweiht. Zu diesem Zweck bedeckte er die enorme ellipsoide Kuppel von 1300m2 mit über einhundert Tonnen leuchtender Farbe, welche eine Tropfsteindecke bildete.

 

1990 entwarf er die Kostüme und das Bühnenbild für Manuel De Fallas Oper Tréteaux de Maître Pierre an der Opéra Comique in Paris.

 

Barceló machte auch verschiedene Buchillustrationen. 1992 illustrierte er die Novelle Too far from home von Paul Bowles, inspiriert vom Leben des Künstlers in Gao. Als jüngster Künstler, der jemals in diesem Museum gezeigt wurde, wurde er eingeladen seine Aquarelle zu Dantes Divina Commedia 2005 im Louvre in Paris auszustellen. Während einer Reise nach Indien und in den Himalaya im Jahr 2017 kreierte er Illustrationen für den ersten Band von Goethes Faust.

 

Seine preisgekrönte Performance Paso Doble, die er mit seinem befreundeten Choreografen Joseph Nadj entwickelte, wurde 2006 zum ersten Mal am Festival von Avignon gezeigt, seither wurde sie weltweit in grösseren Städten aufgeführt. Die Performance La imágen fantasma entstand 2016 und wird vom Musiker und Komponisten Pascal Comelade begleitet.

 

2017 erhielt der Künstler die Ehrendoktorwürde der Universität Salamanca, für die er 2015 beauftragt wurde, das Logo für ihre 800-Jahrfeier zu entwerfen.

 

Bruno Bischofberger und Barceló lernten sich 1983 im italienischen Neapel kennen. Seit 1984 vertritt die Galerie Bruno Bischofberger den Künstler exklusiv weltweit.

 

Miquel Barceló lebt und arbeitet derzeit in Paris und Mallorca.

Ausgewählte Einzel-Ausstellungen: 

Fundación La Caixa, Madrid, 1981;

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich 1984;

Musée d'art contemporain, Bordeaux, Palacio de Velazquez, Madrid, Institute of Contemporary Art, Boston, 1985;

Leo Castelli Gallery, New York, 1986;

Casa de la Caritat, Barcelona, 1987;

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 1988;

Musée d‘Art Contemporain, Montreal, 1988;

Leo Castelli Gallery, New York, 1989;

Carré d‘Art, Nîmes, 1991;

First Gallery, Moscow (organisiert vin der Galerie Bruno Bischofberger), 1992;

Leo Castelli Gallery, New York, 1992;

Gallerie Bruno Bischofberger, Zürich, 1993;

Galleria Civica d‘Arte Contemporanea, Trento, 1993;

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 1994;

Whitechapel Art Gallery, London, 1994;

Galerie Bruno Bischofberger, Zurich 1995;

Leo Castelli Gallery, New York, 1995;

Galerie Nationale du Jeu de Paume, Paris, 1996;

Centre George Pompidou, Paris, 1996;

Centre Cultural Recoleta, Buenos Aires, 1997;

Museu d'Art Contemporani, Barcelona, 1998;

Chiesa Santa Eulalia dei Catalani, Palermo, Sizilien, 1998;

Reina Sofia - Museo Nacional Centro de Arte, Madrid; Museo de Arte Moderna, Rio de Janeiro; Museo de Arte Visuales, Montevideo; Museum of Art, Tel Aviv, 1999- 2000;

Musée des Arts Décoratifs, Paris, 2000;

Fondation Maeght, Saint-Paul de Vence, 2002;

Galleria Nazionale d‘Arte Moderna, Rom, 2002;

Pinoteca do Estado, Sao Paulo; Kestner Gesellschaft, Hannover; MARCO-Museo de Arte Contemporáneo, Monterrey; Museo Rufino Tamayo, Mexico City, 2003-2004;

Illes Balears: Plaça de la Constitució, Formentera Museu d'Art Contemporani d'Eivissa, Ibiza; Museu de Menorca, Maó; La Llotja, Palma, Mallorca, 2004;

Musée du Louvre, Paris, 2004;

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 2005;

Museo d`Arte Moderna, Lugano, 2006;

IMMA Irish Museum of Modern Art, Dublin and CAC Centro de Arte Contemporáneo de Málaga, Málaga, 2008;

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 2009;

Exposición Internacional de Arte Biennale, Venice, 2009;

Fundació Pilar I Joan Miró, Mallorca, 2009;

Palais des Papes, Musée du Petit Palais, Collection Lambert en Avignon, 2010;

Caixa Forum, Madrid, 2011;

Bank Austria Kunstforum, Vienna, 2012;

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 2009;

Pinakotheke, São Paolo und Rio de Janeiro, 2014;

Galerie Bruno Bischofberger, Männedorf-Zürich, 2015;

Musée Picasso, Paris and Bibliothèque nationale de France, Paris, 2016;

MIC Museo Internazionale delle Ceramiche, Faenza, 2019

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Barceló Biografie

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