« Die Avantgarde übte mit all ihren Ideen Gewalt

gegen den Künstler aus, indem sie ihn der Ikonographie

beraubte, dem lebenswichtigen Element

seiner Sprache. Jetzt sind wir in einer Situation,

die mit der nach der Erfindung der Schrift vergleichbar

ist. Die mündliche Erzähltradition ist tot, und die

Menschen haben eine wichtige Möglichkeit,

sich selbst auszudrücken, verloren.» Enzo Cucchi, 1981

Enzo Cucchi (1949)

Enzo Cucchi wird am 14. November 1949 in Morro d’Alba in der italienischen Provinz Ancona geboren. Als Jugendlicher besucht er mit Unterbrechungen die Akademie der Bildenden Künste in Macerata, ab 1965 arbeitet er als Assistent bei einem Buch- und Bilderrestaurator in Florenz. Im wesentlichen durch diese Tätig­keit erwirbt er autodidaktisch Kenntnisse der Malerei, und es entstehen erste Ge­mälde. 1966 bis 1968 arbeitet er als Landvermesser, parallel widmet er sich der Lyrikproduktion. 1975 zieht er nach Rom, 1976 erscheint ein erster Schriften­band, auf den zahlreiche Publikationen und Künstlerbücher folgen. Ab 1977 wen­det sich Cucchi verstärkt der Malerei zu und knüpft an die zunächst von der Mini­mal und Conceptual Art abgelöste und von vielen Zeitgenossen als obsolet empfundene Tradition des malerischen Erzählens an. Er fühlt sich in Rom ebenso wie in Afrika als Traditionalist. Der Kunstkritiker Achille Bonito Oliva, den er seit längerem kennt, prägt für Cucchi, Sandro Chia, Francesco Clemente, Mimmo Paladino und Nicola De Maria 1979 den Begriff «Transavanguardia» und postu­liert damit eine Gegenbewegung zur Avantgarde. Die jungen Maler setzen auf Subjektivität und die Einbeziehung autobiografischer Elemente, auf Expressivität und Unmittelbarkeit.

1980 nimmt Cucchi auf Einladung Olivas an Aperto’ 80 im Rahmen der Biennale di Venezia teil. In der Kunsthalle Basel spielt er eine wichtige Rolle im Rahmen der Übersichtsausstellung 7 Junge Künstler aus Italien, die an das Museum Folkwang in Essen und das Stedelijk Museum in Amsterdam wandert. Seit 1982 arbeitet er auch an Skulpturen. 1986 stellt er als jüngster Künstler in der Ge­schichte des Hauses sein Werk im New Yorker Solomon R. Guggenheim Museum vor. Zahlreich finden sich bei Cucchi Zitate aus der Kunstgeschichte, doch blei­ben seine wichtigsten Themen die mythischen Stoffe und die italienische Land­schaft. Zu Vorbildern und Künstlerfreunden sucht er nachhaltigen Kontakt. In Basel nimmt er 1984 an einem Gespräch mit Joseph Beuys, Anselm Kiefer und Jannis Kounellis teil. In der Kunsthalle Bielefeld zeigt er 1987 neben seinen Wer­ken Arbeiten von Beuys, Vincent van Gogh, Victor Hugo, Barnett Newman und Pier Paolo Pasolini. Seit 1986 entwarf er verschiedentlich Kostüme und Bühnenbilder für Opern- und Theaterinszenierungen. In den 1990er Jahren erarbeitet Cucchi unter anderem einen Marienzyklus für eine Kirche in den Tessiner Alpen. Enzo Cucchi lebt und arbeitet in Rom und Ancona.

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