«Bei meiner Arbeitsweise kommt einem ja

tatsächlich manchmal der Gedanke, ich könnte

vielleicht an der Geschichte vorbeigehen

oder die Geschichte an mir und ich hinterlasse

gar nichts. Dagegen kann ich mir vorstellen,

dass es ein tolles Gefühl ist, zu arbeiten wie

Lichtenstein, wo die einmal gefundene Form

durchgeht, meinetwegen Rasterbilder von

der Wiege bis zur Bahre, eine grossartige Sache!

Aber kommt Ihnen Lichtenstein nicht auch

vor wie ein Ungeheuer aus dem Paläolithikum,

wie ein Saurier? Also, ich glaube schon, dass

mein Weg für mich die einzige Möglichkeit

ist – ich meine, wie ich die Dinge tue.» 

Dokoupil, 1992

Dokoupil (1954)

Jiří Georg Dokoupil wird am 3. Juni 1954 in Krnov (im heutigen Tschechien) geboren. Die Familie emigriert nach dem gewaltsamen Ende des «Prager Früh­lings» 1968 nach Deutschland. Nach dem Abitur studiert Dokoupil von 1976 bis 1978 in Köln, Frankfurt am Main und New York an der Cooper Union, wo er unter anderem vom deutschen Konzeptkünstler Hans Haacke unterrichtet wird. Nach der Rückkehr nach Köln lernt er 1979 Walter Dahn kennen, und es kommt zu zahlreichen Gemeinschaftsarbeiten. Erste Gemälde entstehen, indem Zeichnun­gen auf Leinwände projiziert und abgemalt werden. 1980 stellen Dahn und Dokoupil gemeinsam mit Hans Peter Adamski und Peter Bömmels, der Urzelle der Mülheimer Freiheit, in der Hahnentorburg, dem Kölner Sitz des Bundesverbandes Bildender Künstler, aus. Die Ausstellung Auch wenn das Perl­huhn leise weint wird von Bruno Bischofberger ebenso wie vom Galeristen Paul Maenz besucht, der daraufhin die erste Gruppenpräsentation der Mülheimer Freiheit organisiert. Bischofberger, der bereits im Atelier verschiedenste Werke erworben hatte, kauft Maenz alle Bilder noch vor der Ausstellungseröffnung ab. 1980 entsteht Dokoupils Bild Italienische Insekten als Auseinandersetzung mit der italienischen Transavanguardia; mit Frühlingssturm oder Fruchtwasser folgen Arbeiten, die sich auf Fetting und Salomé in Berlin beziehen.

Ab 1985 entsteht mit Corporations and Products eine Serie grossformatiger Gemälde und kleiner Bronzen, die bekannte Firmen und Produktnamen zum In­halt hat. Dokoupil arbeitet konzeptuell und legt sich nicht auf einen Stil fest. Stattdessen erfindet er immer wieder neue Bildinhalte, wie 1982 in den Werkgruppen Neue Kölner Schule und Blaue Bilder über die Liebe oder 1983 bis 1984 in den Schnuller Bildern. Für fast jede Bilderserie findet er auch eine neue Technik, so entstehen ab 1988 «Russbilder» (Soot Paintings), ab 1991 «Seifenblasenbilder» (Soap Bubble Paintings), danach «Reifenbilder» (Tire Paintings), 2002 bis 2003 «Peitschenbilder» (Whip Paintings) oder ab 2007 «Filmbilder» (TV- and Movie Paintings) usf. Manche Arbeiten erinnern an Graffiti, andere an Kinderzeichnungen, wieder an­dere scheinen einen Dialog mit anderen Künstlern zu führen. Die jeweiligen Werkgruppen werden zu Beginn der 1980er Jahre in New Yorker Galerien wie Leo Castelli, Ileana Sonnabend, Mary Boone, Robert Miller und Tony Shafrazi gezeigt. An der Documenta 7 nimmt er mit dem Werk Gott zeig mir Deine Eier teil, um auf die »Plate Paintings« von Julian Schnabel, der nicht eingeladen ist, hinzuwei­sen. Im Rahmen der Berliner Zeitgeist-Ausstellung 1982 persifliert er den Stil der jungen Berliner Maler, im besonderen von Middendorf. Bis heute lässt sich Dokoupil keinem Stil zuordnen, was ihm den Beinamen «Sphinx» eintrug. Von 1983 bis 1984 lehrt er an der Kunstakademie Düsseldorf, ab 1989 am Circulo de Bellas Artes in Madrid.

 

Dokoupil lebt und arbeitet hauptsächlich in Berlin, Madrid, Prag und Rio de Janeiro.

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