Bruno Bischofberger

Bruno Bischofberger wurde 1940 in Zürich geboren. 1958 beginnt er sein Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde an der Universität Zürich mit darauffolgenden Studienjahren an den Universitäten Bonn und München. Er ist seit 1971 verheiratet mit Christina, geb. Clifton. Sie leben in einem von Ettore Stossass entworfenen Haus über dem Zürichsee. 

1963 eröffnet Bischofberger seine Galerie in Zürich an der Pelikanstrasse, die während der ersten drei Jahre noch city-galerie heisst. Die erste wichtige Ausstellung moderner Kunst, Pop Art, findet vom 15. Juni bis 10. Juli 1965 statt mit Werken von Warhol, Lichtenstein, Oldenburg, Rauschenberg, Wesselmann und Rosenquist. In den darauffolgenden Jahren stellt er in seiner Galerie, die innerhalb Zürichs dreimal den Standort wechselt, viele der wichtigsten lebenden Künstler Europas und Amerikas in Einzelaustellungen und zum Teil auch in Gruppenaustellungen aus. Dabei spielen die Pop Art-Künstler Amerikas und die Künstler des Nouveau Réalisme in Paris (v.a. Yves Klein, Tinguely und Spoerri) eine grosse Rolle. Ebenfalls werden die wichtigsten Vertreter der Minimal Art der Land und Concept Art öfters gezeigt (Sol Le Witt, Judd, Flavin, André, Serra, Nauman, Kosuth, On Kawara). Von folgenden Künstler gibt es spezifisch für die Galerie entworfene Installationen: Sol Le Witt, Dan Flavin, Joseph Kosuth und Bruce Nauman. 

1966 trifft Bischofberger in New York zum ersten Mal Andy Warhol. Von da an reist er einige Jahrzehnte lang, fünf bis 10 Mal pro Jahr, nach New York. Bei einem der weiteren Treffen mit Warhol 1968 zeigt ihm dieser ca. zwanzig frühe Arbeiten, die er für sich behalten hatte. Bischofberger darf davon elf sehr wichtige Arbeiten auswählen, darunter von Hand gemalte Frühwerke, wie Superman, Batman, ein farbiges Coca Cola Bild sowie mehrere grosse zum Teil als Doppel-Panel ausgeführte Disaster-Bilder und frühe Portraits aus den Jahren 1961 bis 1963. Warhol erklärt Bischofberger, dass er die Malerei aufgegeben habe und nur noch mit dem Medium Film arbeite. Warhol verspricht ihm ein Vorkaufsrecht auf all seine eventuellen zukünftigen Werke. Bischofberger bittet Warhol ein Portrait von ihm zu machen und schlägt diesem zudem vor Portraits mit Festpreisen und Normformaten für Bischofbergers Kunden auszuführen. In den nächsten Jahren werden diese zur wichtigsten Einnahmequelle Warhols.  [Mehr über die enge Beziehung Bruno Bischofbergers zu Warhol: Bruno Bischofberger, "Eine kurze Geschichte meiner Beziehung mit Andy Warhol", 2001]

Ende der 1970er und während der 80er Jahre zeigt Bischofberger regelmässig Ausstellungen mit Werken von Julian Schnabel, David Salle, Jean-Michel Basquiat, Miquel Barceló, George Condo, Francesco Clemente, Enzo Cucchi, Dokoupil, Peter Halley, Mike Bidlo, Jean Tinguely und Andy Warhol. Die Galerie gibt Publikationen über die diese Künstler heraus und trägt wesentlich zur Realisation von Museumsausstellungen weltweit bei. 

Im Mai 1982 hört Bischofberger, dass Jean-Michel Basquiat die Zusammenarbeit mit Annina Nosei bereits nach 4,5 Monaten beendet hatte. Der Künstler erzählt ihm, dass der Hauptgrund dafür die Tatsache war, dass Annina Nosei trotz diverser Ermahnungen, Werke von ihm veräusserte, welche noch nicht fertiggestellt oder von ihm noch nicht zum Verkauf freigegeben wurden.[1] Bischofberger wird weltweit Basquiats exklusiver Kunsthändler, eine Vereinbarung, die bis zu Basquiats frühzeitigem Tod währt. [2]

1984 kommissioniert Bischofberger Gemeinschaftsarbeiten von Warhol, Basquiat und Clemente, die alle einzeln exklusiv von seiner Galerie vertreten werden. Die Ausstellung dieser Werke findet vom 15. September bis 13. Oktober 1984 in Zürich statt. Daraufhin setzen Basquiat und Warhol ihre Kollaboration fort. Dabei überzeugt Basquiat Warhol wieder von Hand zu malen, nachdem dieser 23 Jahre lang ausschliesslich mit dem Siebdruckverfahren gearbeitet hatte. Bischofberger zeigt diese Zweier-Collaborations vom 14. November 1986 bis 17. Januar 1987 in Zürich.

In Julian Schnabels Spielfilm Basquiat vom 1996 wird Bruno Bischofberger von Dennis Hopper dargestellt.

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[1] Vgl. Auszug aus einem Interview von Isabelle Graw (IG) with Jean-Michel Basquiat (JMB), publiziert in Wolkenkratzer Art Journal, Frankfurt, Nr. 1, Januar-Februar 1987, S. 51 : «(IG) Deine Galeristen haben es nicht leicht mit Dir. Jetzt hast Du Dich von Mary Boone getrennt... (JMB) Ich kam mit ihr nicht zurecht.   (IG) Vorher musstest Du im Keller der Galeristin Annina Nosei Bilder produzieren... (JMB) Damals hatte ich kein Atelier. Die Galeristin bot mir ihren Keller als Arbeitsplatz an. Das schlechte an dieser Situation war, dass sie unfertige Bilder verkaufte. Sie sagte, dass jemand sich für das Bild interessiere und verkaufte es trotz meines Protests. Damals war ich jung, heute habe ich dazugelernt.    (IG) Fühlst Du Dich als Opfer?  (JMB) Yes.»

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[2] Vgl. "Chronologie von Jean-Michel Basquiat" von Anna Karina Hofbauer, 2019

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Mehr:

"Andy Warhols visuelles Gedächtnis" von Bruno Bischofberger (Bruno Bischofberger betrachtet diesen als den wichtigsten Text, den er je geschrieben hat)

- (In Englisch) Bruno Bischofberger, Andy Warhol's Visual Memory, Edition Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 2001, S. 9ff.

- Carl Haenlein (ed.), Andy Warhol Fotografien 1976–1987, Kestner Gesellschaft, Hannover, 2001, S. 13ff.

"Eine kurze Geschichte über meine Beziehung mit Andy Warhol" von Bruno Bischofberger

Publiziert in:

- (In Englisch, erweiterte Version als Vorwort) Bruno Bischofberger, Andy Warhol's Visual Memory, Edition Galerie Bruno Bischofberger, Zürich, 2001, S. 6–7

- (in Englisch) Magnus Bischofberger, Prehistory to the Future, Highlights from the Bischofberger Collection, Electa, Mailand, 2008, S. 258–259 

"Chronologie von Jean-Michel Basquiat" von Anna Karina Hofbauer, 2019

"Collaborations – Betrachtungen und Erfahrungen mit Basquiat, Clemente and Warhol" von Bruno Bischofberger

Publiziert in:

- Editierte, Version (in Englisch): Magnus Bischofberger, Prehistory to the Future, Highlights from the Bischofberger Collection, Electa, Mailand, 2008, S. 262ff.

- Uneditierte Version: Tilman Osterwold Hg., Collaborations: Warhol, Basquiat, Clemente, Cantz, Ostfildern-Ruit, 1996, S. 108ff.

 

 
 

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